Fondsgebundene Rentenversicherung: Was sie leistet, was sie kostet und für wen sie passt

Was ist eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Eine fondsgebundene Rentenversicherung (auch Fondspolice genannt) ist eine private Altersvorsorge, bei der deine Beiträge nicht in verzinste Anlagen fließen, sondern in Investmentfonds oder ETFs investiert werden. Das Ziel: höhere Renditechancen als bei klassischen Rentenversicherungen mit Garantiezins, die im Niedrigzinsumfeld kaum noch Rendite abwerfen.

Du zahlst monatliche Beiträge an einen Versicherer. Der legt dein Geld in Fonds deiner Wahl an, zieht seine Kosten ab und garantiert dir am Ende entweder eine lebenslange Rente oder eine Kapitalauszahlung. Anders als ein ETF-Depot läuft die Anlage innerhalb eines Versicherungsmantels, was steuerliche Besonderheiten schafft.

Wie funktioniert die fondsgebundene Rentenversicherung genau?

Technisch läuft es so: Du wählst aus dem Angebot des Versicherers Fonds oder ETFs aus, in die dein Beitrag nach Abzug der Kosten angelegt wird. Die Wertentwicklung hängt vollständig von der Marktentwicklung dieser Fonds ab. Es gibt keine Garantie auf einen Mindestertrag oder auf die eingezahlten Beiträge (außer bei Produkten mit Garantiekomponente, die aber Rendite kosten).

In der Ansparphase wächst das Fondsvermögen steuerfrei. Du zahlst während der Laufzeit keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne oder Fondsausschüttungen. Erst bei Auszahlung wird versteuert, und zwar deutlich günstiger als bei einem Depot.

Steuervorteile: Die 12/62-Regel

Das entscheidende Steuerprivileg der fondsgebundenen Rentenversicherung ist die sogenannte 12/62-Regel. Wenn du den Vertrag mindestens 12 Jahre hältst und die Auszahlung erst ab dem 62. Lebensjahr erhältst, wird nur die Hälfte des Gewinns mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Bei einem Steuersatz von zum Beispiel 30 Prozent zahlst du effektiv nur 15 Prozent auf den Gewinnanteil.

Zum Vergleich: Im ETF-Depot zahlst du auf realisierte Kursgewinne 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, also rund 26,375 Prozent auf jeden Gewinn, den du realisierst. Je nach Haltezeit und Gewinnhöhe kann der Steuervorteil der Fondspolice erheblich sein, vor allem bei langen Laufzeiten und hohem Gewinn.

Hinweis: Wer vor 63 (Vertragsbeginn vor 2012: vor 60) oder nach weniger als 12 Jahren auszahlt, verliert den Steuervorteil. Die volle Abgeltungsteuer fällt dann auf den Unterschiedsbetrag an.

Was kostet eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Das ist der kritische Punkt. Eine Fondspolice ist niemals kostenlos, und die Kosten entscheiden darüber, ob der Steuervorteil die Mehrkosten gegenüber einem ETF-Depot tatsächlich aufwiegt. Es gibt mehrere Kostenebenen:

Abschluss- und Vertriebskosten

Klassische Bruttopolicen verrechnen über die ersten Jahre einen erheblichen Teil deiner Beiträge für Abschlussprovisionen. Du zahlst zwar monatlich, aber das Geld wird in den Anfangsjahren fast vollständig für Kosten verbraucht, statt in Fonds zu fließen. Das drückt die Rendite gerade bei kurzer Laufzeit stark.

Nettopolicen (Honorartarife) haben keine Abschlusskosten. Dafür zahlst du dem Finanzberater, der sie vermittelt, ein separates Honorar. Das rechnet sich, wenn die laufenden Kosten niedrig sind und du die Police lange hältst.

Laufende Verwaltungskosten

Jährlich werden Verwaltungsgebühren erhoben, typischerweise zwischen 0,2 und 0,8 Prozent des Fondsvermögens pro Jahr. Hinzu kommen die Fondskosten selbst (TER), die je nach Fondsauswahl zwischen 0,1 Prozent bei ETFs und über 1,5 Prozent bei aktiv gemanagten Fonds liegen.

Der Effektivkostensatz als Vergleichsmaßstab

Seit 2015 sind Versicherer verpflichtet, den Effektivkostensatz (nach PRIIPs-Verordnung) auszuweisen. Er zeigt, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite durch alle enthaltenen Kosten geschmälert wird. Ein guter Wert liegt unter 0,8 Prozent pro Jahr; schlechte Tarife kommen auf 1,5 bis 2,5 Prozent oder mehr. Immer den Effektivkostensatz vergleichen, nicht nur die Einzelposten.

Wann lohnt sich eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Die Fondspolice lohnt sich dann, wenn der Steuervorteil die Mehrkosten gegenüber einem direkten ETF-Investment übersteigt. Das ist in der Regel der Fall bei:

Langen Laufzeiten: Je länger der Steuerstundungseffekt wirkt und je mehr Gewinne sich im Vertrag ansammeln, desto wertvoller wird das steuerfreie Wachstum in der Ansparphase. Faustformel: Unter 20 Jahren Laufzeit rechnet sich eine Fondspolice selten gegen ein günstiges ETF-Depot.

Niedrigem Effektivkostensatz: Wenn die laufenden Kosten unter 0,8 Prozent pro Jahr liegen (erreichbar mit Nettopolicen und ETF-Auswahl), kann der Steuervorteil in der Auszahlungsphase die Kostendifferenz zum Depot überwiegen.

Hohem Einkommensteuersatz im Rentenalter: Klingt kontraintuitiv, aber: Der Steuervorteil der 12/62-Regel wirkt umso stärker, je höher dein persönlicher Steuersatz ist. Wer im Rentenalter fast keinen Steuersatz hat, profitiert weniger.

Kapitalertragsteuer-Optimierung: Das steuerfreie Wachstum und das Umschichten zwischen Fonds ohne Steuertrigger ist besonders wertvoll, wenn du aktiv umschichten möchtest.

Fondsgebundene Rentenversicherung vs. ETF-Depot

Der direkte ETF-Sparplan im Depot ist einfacher, transparenter und hat keine Versicherungskosten. Er verliert aber bei der steueroptimierten Auszahlung: Jede Ausschüttung und jeder Gewinn beim Rebalancing oder Verkauf wird sofort mit Abgeltungsteuer belastet. Zudem kann man nicht so einfach umschichten, ohne Steuer auszulösen.

Die Fondspolice dagegen wächst in der Ansparphase steuerfrei und zahlt in der Auszahlungsphase dank 12/62 nur den halben Steuersatz. Dafür zahlt man Versicherungskosten und ist weniger flexibel (Auflösung bedeutet oft hohe Verluste in den ersten Jahren durch die Abschlusskosten).

Wer beides miteinander vergleichen möchte, sollte immer den konkreten Effektivkostensatz des Angebots und seine eigene Steuersituation einbeziehen. Pauschal ist keines von beidem besser.

Fondsgebundene Rentenversicherung vs. Altersvorsorgedepot (ab 2027)

Ab 2027 kommt das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot (AV-Depot) als neues Produkt auf den Markt. Es kombiniert die Flexibilität eines ETF-Depots mit staatlichen Zulagen (wie Riester) und einem Steuervorteil in der Einzahlungsphase. Die Ertragsphase ist anders geregelt als bei der Fondspolice.

Für viele Makler-Kunden wird das AV-Depot ab 2027 eine ernsthafte Alternative zur Fondspolice werden, vor allem für jüngere Sparer mit langen Anlagehorizonten. Die Fondspolice bleibt aber relevant für Selbstständige ohne staatliche Zulagenberechtigung und für sehr lange Laufzeiten mit optimierter Auszahlungssteuerung.

Fondsgebundene Rentenversicherung kündigen

Eine bestehende Fondspolice zu kündigen ist fast immer eine schlechte Idee, besonders in den ersten Jahren. Der Rückkaufswert liegt in vielen Tarifen weit unter den eingezahlten Beiträgen, weil die Abschlusskosten schon verrechnet wurden. Besser als Kündigung sind meist: Beitragsfreistellung (Police weiterführen, keine weiteren Einzahlungen) oder Verkauf auf dem Zweitmarkt.

Wer in eine bestehende Fondspolice eingezahlt hat und unsicher ist, ob sie sich noch lohnt, sollte den Effektivkostensatz und die verbleibende Laufzeit bis 62 prüfen. In vielen Fällen macht die Weiterführung mehr Sinn als der Ausstieg mit Verlust.

Häufige Fragen zur fondsgebundenen Rentenversicherung

Ist das eingezahlte Kapital geschützt?

Bei reinen fondsgebundenen Tarifen ohne Garantiekomponente gibt es keinen Kapitalschutz. Im schlimmsten Fall (anhaltende Marktverluste bis zum Rentenalter) kannst du weniger ausgezahlt bekommen als eingezahlt. Produkte mit Beitragsgarantie bieten Schutz, kosten aber Rendite, weil ein Teil des Kapitals in risikoarme Anlagen geparkt wird.

Was passiert bei Tod während der Ansparphase?

Typischerweise erhalten die Hinterbliebenen den Rückkaufswert oder die eingezahlten Beiträge, je nach Vertrag. Manche Policen schließen eine Todesfallleistung ein; das erhöht aber die Kosten.

Kann ich die Fonds wechseln?

Ja. Fondswechsel innerhalb einer Fondspolice sind meist kostenlos und steuerneutral, da du noch nicht ausgezahlt hast. Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem Depot, wo ein Verkauf zur Steuerauslösung führt.

Wie hoch ist die Auszahlung am Ende?

Das lässt sich nicht garantieren, weil sie von der Marktentwicklung abhängt. Versicherer zeigen Hochrechnungen bei 2 %, 4 % und 6 % jährlicher Rendite. Diese sind Beispiele, keine Versprechen.

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