Altersvorsorgedepot vs. ETF-Depot: Was ist besser für die Altersvorsorge?

Altersvorsorgedepot oder freies ETF-Depot? Vergleich nach Förderung, Kosten, Steuern und Flexibilität, mit Rechenbeispiel und klarer Empfehlung je Situation.

Von Dr. Alexander Adam Geschäftsführender Gesellschafter der fonder GmbH, Marklohe Stand: 10.08.2026 4 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort: Es ist keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Frage der Reihenfolge. Die ersten 360 Euro im Jahr sind im Altersvorsorgedepot mit 50 Cent Zulage je Euro praktisch unschlagbar. Oberhalb von 1.800 Euro Eigenbeitrag entfällt die zusätzliche Zulage, und dann sprechen Kosten und Flexibilität meist für das freie ETF-Depot.

Die zwei Instrumente im Kern

Ein freies ETF-Depot bei einem Direktbroker ist das schlankeste Werkzeug der Geldanlage. Du kaufst ETFs deiner Wahl, zahlst im Wesentlichen die Fondskosten (TER, bei Welt-ETFs typisch 0,1 bis 0,2 Prozent im Jahr), und das Kapital ist jederzeit vollständig verfügbar.

Das Altersvorsorgedepot ab dem 01.01.2027 investiert ebenfalls in Fonds und ETFs, ist aber ein zweckgebundener Altersvorsorgevertrag. Dafür gibt es staatliche Zulagen und eine steuerfreie Ansparphase. Der Preis ist die Bindung bis zum Rentenalter.

Vergleich nach den vier entscheidenden Kriterien

Kriterium Altersvorsorgedepot Freies ETF-Depot
Staatliche Zulagen bis 540 Euro Grundzulage, bis 300 Euro je Kind, 200 Euro Einsteigerbonus keine
Steuer in der Ansparphase keine, kein Vorabpauschale-Abzug Vorabpauschale und Abgeltungsteuer auf realisierte Gewinne
Kosten Vertrags- und Depotkosten, beim Standarddepot höchstens 1,0 Prozent Effektivkosten nur Fonds-TER, in der Praxis ab etwa 0,2 Prozent
Verfügbarkeit gebunden bis zum Rentenalter, Teilkapital bis 30 Prozent zu Rentenbeginn jederzeit vollständig

Förderung schlägt Kosten, aber nur bis zu einer Grenze

Die Zulagenstaffel ist degressiv, und genau daran hängt die ganze Entscheidung:

Eigenbeitrag pro Jahr Grundzulage Förderquote
360 Euro 180 Euro 50 Prozent
1.800 Euro 540 Euro 30 Prozent
3.600 Euro 540 Euro 15 Prozent
6.840 Euro 540 Euro rund 8 Prozent

Ein Kostennachteil von 0,8 Prozentpunkten pro Jahr kostet über 30 Jahre grob ein Fünftel des Endkapitals. Eine Sofortförderung von 50 Prozent auf den eingezahlten Euro ist davon meilenweit entfernt: Sie wirkt sofort und verzinst sich anschließend mit. Deshalb gewinnt das AV-Depot die erste Stufe klar. Bei 6.840 Euro Einzahlung dagegen liegt die Förderquote nur noch bei rund 8 Prozent, verteilt über die gesamte Summe, und dann kippt die Rechnung Richtung freies Depot.

Der unterschätzte Steuervorteil

Im freien Depot fällt jedes Jahr die Vorabpauschale an, und jede Umschichtung löst Abgeltungsteuer aus. Im AV-Depot passiert in der Ansparphase steuerlich nichts. Über 30 Jahre ist dieser Effekt kein Rundungsfehler, sondern ein spürbarer Renditebeitrag, der zusätzlich zu den Zulagen wirkt.

Dafür wird die Auszahlung im AV-Depot voll nachgelagert besteuert, also mit dem persönlichen Steuersatz im Rentenalter. Im freien Depot ist nur der Gewinn abgeltungsteuerpflichtig, und der Sparerpauschbetrag bleibt nutzbar. Ob nachgelagerte Besteuerung günstiger ist, hängt davon ab, ob der Steuersatz im Alter unter dem heutigen liegt.

Flexibilität hat einen realen Wert

Das Kapital im AV-Depot ist bis zum Rentenalter gebunden. Vorzeitige Entnahmen führen zur Rückforderung der Förderung. Wer in zehn Jahren eine Immobilie kaufen, sich selbstständig machen oder eine Familienphase überbrücken will, sollte diesen Teil des Vermögens nicht binden. Ein Notgroschen und mittelfristige Ziele gehören ins freie Depot, nicht in einen Vorsorgevertrag.

Für wen welches Produkt passt

Das AV-Depot ist die bessere Wahl für:

  • Zulageberechtigte, die die geförderte erste Stufe ausschöpfen wollen
  • Familien mit Kindern, wegen der Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind
  • Berufseinsteiger unter 25 wegen des einmaligen Bonus von 200 Euro
  • Menschen mit hohem Grenzsteuersatz heute und absehbar niedrigerem Steuersatz im Alter

Das freie ETF-Depot ist die bessere Wahl für:

  • alles oberhalb der geförderten 1.800 Euro Eigenbeitrag
  • Sparziele vor dem Rentenalter, etwa Immobilie, Sabbatical oder Rücklagen
  • Menschen ohne klaren Langfristplan, die sich Optionen offenhalten wollen
  • alle, denen volle Kontrolle über Anlage und Entnahme wichtiger ist als Förderung

Die praktische Empfehlung: gestaffelt kombinieren

Eine belastbare Reihenfolge für die meisten Haushalte sieht so aus:

  • Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld, unangetastet.
  • Im AV-Depot mindestens 360 Euro im Jahr einzahlen, mit Kindern zusätzlich 300 Euro je Kind, um die hohen Förderquoten mitzunehmen.
  • Bei hohem Steuersatz prüfen, ob die Ausschöpfung bis 1.800 Euro über die Günstigerprüfung zusätzlich lohnt.
  • Alles darüber ins freie ETF-Depot, breit gestreut und kostengünstig.

Wie sich diese Aufteilung über die eigene Laufzeit auswirkt, lässt sich mit dem kostenlosen AV-Depot-Rechner von fonder nachrechnen, statt sie zu schätzen.

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Häufige Fragen

Ist das Altersvorsorgedepot besser als ein ETF-Sparplan?

Für die ersten 360 Euro im Jahr ja, weil 50 Cent Zulage je Euro von keinem Kostenvorteil eines freien Depots aufgewogen werden. Für Beträge oberhalb der geförderten 1.800 Euro ist der freie ETF-Sparplan meist günstiger und flexibler.

Kann man beides parallel haben?

Ja, und für die meisten ist genau das die sinnvolle Lösung: das AV-Depot für den geförderten Teil, das freie Depot für Flexibilität und alles darüber.

Was passiert bei vorzeitiger Kündigung des AV-Depots?

Wird das Kapital vor dem Rentenalter entnommen, ist die erhaltene Förderung zurückzuzahlen. Das freie Depot kennt diese Einschränkung nicht.

Dr. Alexander Adam

Geschäftsführender Gesellschafter der fonder GmbH, Marklohe

Alexander ist promovierter Ingenieur und Geschäftsführender Gesellschafter der fonder GmbH. Er verantwortet die Inhalte auf fonder-vergleiche.de und prüft jeden Ratgeber-Beitrag fachlich. Die Rechenbeispiele stammen aus dem fonder-Rechenkern, mit dem Finanzberater täglich ihre Kundengespräche rechnen.

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