Beim Altersvorsorgedepot gibt es eine harte Zahl: Beim Standarddepot dürfen die Effektivkosten höchstens 1,0 Prozent betragen. Für alle anderen Varianten gilt dieser Deckel nicht. Genau darin liegt die Aufgabe für jeden, der ab 2027 ein Angebot bewertet.
Dieser Beitrag zeigt, welche Kostenarten zusammenkommen, was ein Prozentpunkt Unterschied über 30 Jahre wirklich kostet und warum die Zulagen die Kostenfrage nicht erledigen. Stand: 10. August 2026.
Der gesetzliche Kostendeckel
Das Altersvorsorgereformgesetz definiert das Standarddepot als besonders einfach zu handhabendes Altersvorsorgedepot mit zusätzlichen gesetzlichen Anforderungen. Jeder Anbieter geförderter Altersvorsorgeprodukte muss ein solches Standarddepot anbieten oder das eines kooperierenden Anbieters vertreiben. Ausgenommen sind nur Anbieter, die ausschließlich die Eigenheimrenten-Förderung anbieten.
Für dieses Standarddepot gilt die Obergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten. Im Gesetzgebungsverfahren wurde sie von ursprünglich 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt. Zusätzlich soll ein öffentlich organisiertes Standarddepot-Angebot eingeführt werden.
Die entscheidende Einschränkung: Der Deckel gilt für das Standarddepot, nicht für jedes Altersvorsorgedepot und nicht für Garantieprodukte. Ein Angebot mit dem Etikett Altersvorsorgedepot ist also nicht automatisch ein günstiges Angebot.
Welche Kostenarten zusammenkommen
| Kostenart | Worauf sie wirkt |
|---|---|
| Abschluss- und Vertriebskosten | einmalig oder über die ersten Jahre verteilt auf die Beiträge |
| Verwaltungskosten des Vertrags | laufend, oft als Prozentsatz des Vermögens oder der Beiträge |
| Depot- und Ordergebühren | laufend beziehungsweise je Transaktion |
| Fondskosten (TER) | laufend auf das angelegte Vermögen, bei Welt-ETFs etwa 0,1 bis 0,2 Prozent |
| Kosten der Auszahlungsphase | auf das Kapital zu Rentenbeginn, bei Verrentung häufig separat |
Die Effektivkostenquote fasst diese Posten in einer Zahl zusammen: um wie viel Prozentpunkte die jährliche Rendite durch alle Kosten sinkt. Genau deshalb ist sie die einzige sinnvolle Vergleichsgröße. Wer Depotgebühren einzeln vergleicht, vergleicht die kleinste Position.
Was ein Prozentpunkt wirklich kostet
Ein Rechenbeispiel: 150 Euro monatlich über 32 Jahre bei 6 Prozent Bruttorendite, monatliche Verzinsung, nur Eigenbeiträge ohne Zulagen.
| Effektivkosten | Nettorendite | Endkapital (nur Eigenbeiträge) |
|---|---|---|
| 0,3 Prozent | 5,7 Prozent | rund 163.000 Euro |
| 1,0 Prozent | 5,0 Prozent | rund 142.000 Euro |
| 1,8 Prozent | 4,2 Prozent | rund 121.000 Euro |
Zwischen 0,3 und 1,8 Prozent Effektivkosten liegen bei sonst identischen Annahmen rund 42.000 Euro. Das ist mehr, als die staatliche Grundzulage über dieselbe Laufzeit einbringt (540 Euro mal 32 Jahre = 17.280 Euro).
Genau das ist der Punkt, der in Verkaufsgesprächen gern untergeht: Die Zulage wirkt einmal pro Jahr auf den Beitrag, die Kosten wirken jedes Jahr auf das gesamte Vermögen. Ein teures gefördertes Produkt kann schlechter abschneiden als ein günstiges ungefördertes.
Warum die Kostenfrage bei Garantien anders aussieht
Bei Garantieprodukten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie kommen die Kosten der Garantie hinzu. Sie erscheinen selten als eigene Position, wirken aber über eine niedrigere Aktienquote: Kapital, das die Garantie absichern muss, kann nicht chancenreich angelegt werden. Dieser Renditeverzicht ist eine Kostenposition, auch wenn er in keiner Gebührentabelle steht.
Beim Standarddepot gibt es einen verwandten Effekt: Laut BMF werden die Investmentanteile in den Jahren vor Renteneintritt automatisch in ein Investmentvermögen mit vorsichtigem Anlageprofil umgeschichtet. Das ist sinnvoll gegen Kursrisiken kurz vor der Rente, senkt aber die erwartete Rendite der letzten Jahre. Wer die Endkapitalzahlen aus einem einfachen Zinseszinsrechner übernimmt, überschätzt das Ergebnis.
Prüfliste für ein Angebot ab 2027
- Nach der Effektivkostenquote fragen, nicht nach Einzelgebühren. Sie muss ausgewiesen werden.
- Prüfen, ob es sich um ein Standarddepot handelt. Nur dann greift der 1,0-Prozent-Deckel.
- Fondskosten getrennt betrachten: Werden günstige Welt-ETFs angeboten oder hauseigene Fonds mit höherer TER?
- Kosten der Auszahlungsphase erfragen. Sie fallen dann an, wenn das Vermögen am größten ist.
- Bei einem Wechsel aus Riester zusätzlich die Wechsel- und Abschlusskosten gegen den Zulagengewinn rechnen.
Wie sich unterschiedliche Kostensätze auf das Endkapital auswirken, lässt sich mit dem kostenlosen AV-Depot-Rechner von fonder für die eigene Laufzeit durchspielen.
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Häufige Fragen
Wie hoch dürfen die Kosten beim Altersvorsorgedepot sein?
Beim Standarddepot dürfen die Effektivkosten höchstens 1,0 Prozent betragen. Für andere Altersvorsorgedepots und für Garantieprodukte gilt dieser gesetzliche Deckel nicht.
Was sind Effektivkosten?
Die Effektivkostenquote gibt an, um wie viele Prozentpunkte die jährliche Rendite durch sämtliche Kosten sinkt. Sie fasst Abschluss-, Verwaltungs-, Depot- und Fondskosten in einer Zahl zusammen und ist die einzig sinnvolle Vergleichsgröße.
Gleichen die Zulagen hohe Kosten aus?
Nicht zwangsläufig. Die Zulage wirkt einmal jährlich auf den Beitrag, die Kosten wirken jedes Jahr auf das gesamte angesparte Vermögen. Über lange Laufzeiten kann der Kostennachteil den Zulagenvorteil übersteigen.
Muss jeder Anbieter ein Standarddepot anbieten?
Ja. Anbieter geförderter Altersvorsorgeprodukte müssen ein Standarddepot anbieten oder das eines kooperierenden Anbieters vertreiben. Ausgenommen sind nur Anbieter, die ausschließlich die Eigenheimrenten-Förderung anbieten.
Dr. Alexander Adam
Geschäftsführender Gesellschafter der fonder GmbH, Marklohe
Alexander ist promovierter Ingenieur und Geschäftsführender Gesellschafter der fonder GmbH. Er verantwortet die Inhalte auf fonder-vergleiche.de und prüft jeden Ratgeber-Beitrag fachlich. Die Rechenbeispiele stammen aus dem fonder-Rechenkern, mit dem Finanzberater täglich ihre Kundengespräche rechnen.
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