Trade Republic Vorabpauschale: Abbuchung, Berechnung, Freistellungsauftrag

Die Trade Republic Vorabpauschale sorgt jedes Jahr Anfang Januar für überraschte Gesichter: Der Broker bucht Steuern ab, obwohl du nichts verkauft hast. Dahinter steckt keine Fehlbuchung, sondern eine gesetzliche Vorwegbesteuerung für Fonds und ETFs, die alle deutschen Broker umsetzen müssen. Hier erfährst du, wann Trade Republic abbucht, wie sich der Betrag Schritt für Schritt berechnet und was dein Freistellungsauftrag damit zu tun hat. Mit dem Rechner direkt unter diesem Absatz kannst du deine eigene Vorabpauschale sofort überschlagen.

Vorabpauschale-Rechner
Live berechnet nach der offiziellen Formel (thesaurierender ETF)
2024 · 2,29 %
2025 · 2,53 %
2026 · 3,20 %
Aktien-ETF · 30 % frei
Mischfonds · 15 % frei
Ohne Teilfreistellung
Basisertrag (10.000 € × 3,20 % × 70 %)224,00
Steuerpflichtig nach Teilfreistellung156,80
Nach Sparerpauschbetrag156,80
Vorabpauschale-Steuer 202641,36
■ steuerfrei (Teilfreistellung)■ Bemessung■ Steuer (26,375 %)
Näherung ohne Kirchensteuer. Die Vorabpauschale ist zusätzlich auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres gedeckelt und wird Anfang des Folgejahres vom Verrechnungskonto abgebucht. In einer Fondspolice fällt keine Vorabpauschale an.

Was ist die Vorabpauschale?

Die Vorabpauschale ist eine jährliche Mindestbesteuerung für Investmentfonds und ETFs, die seit 2018 gilt. Sie betrifft vor allem thesaurierende Fonds, die ihre Erträge nicht ausschütten, sondern automatisch wieder anlegen. Ohne diese Regel würden bei solchen Fonds bis zum Verkauf gar keine Steuern anfallen. Der Staat besteuert deshalb jedes Jahr einen fiktiven Mindestertrag, den sogenannten Basisertrag. Wichtig: Beim späteren Verkauf werden alle bereits versteuerten Vorabpauschalen angerechnet, du zahlst also nichts doppelt, sondern nur früher.

Wann und wie bucht Trade Republic ab?

Trade Republic bucht die Vorabpauschale Anfang Januar ab, und zwar für das abgelaufene Jahr. Steuerlich gilt sie als am ersten Werktag des neuen Jahres zugeflossen. Die Abbuchung erfolgt automatisch vom Verrechnungskonto, du musst nichts beantragen oder freigeben. Die Details pro Fonds findest du anschließend in deiner Abrechnung beziehungsweise im Steuerreport.

Ist auf dem Verrechnungskonto nicht genug Guthaben, gehen Broker unterschiedlich damit um. Üblich ist, dass der Betrag zu einem späteren Zeitpunkt eingezogen wird oder dass der Broker dich auffordert, das Konto auszugleichen. In manchen Fällen wird eine nicht abgeführte Steuer auch dem Finanzamt gemeldet und dann über die Steuererklärung erhoben. Prüfe im Zweifel die aktuellen Hinweise von Trade Republic und lasse zum Jahreswechsel am besten ein kleines Guthaben auf dem Verrechnungskonto stehen.

Berechnung Schritt für Schritt

So entsteht der Betrag, den Trade Republic abbucht: Erstens wird der Basisertrag ermittelt. Das ist der Wert deiner Fondsanteile am 1. Januar multipliziert mit dem Basiszins und mit 70 Prozent. Zweitens wird der Basisertrag gedeckelt: Er ist nie höher als der tatsächliche Wertzuwachs deines Fonds in dem Jahr. War der Fonds im Minus, fällt keine Vorabpauschale an. Drittens greift bei Aktien-ETFs die Teilfreistellung, 30 Prozent bleiben steuerfrei. Auf den Rest fallen 26,375 Prozent Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag an, bei Kirchenmitgliedern zusätzlich Kirchensteuer.

Ein Beispiel mit dem Basiszins von 2,53 Prozent für das Jahr 2025: Du hältst am 1. Januar 2025 Aktien-ETF-Anteile im Wert von 10.000 Euro. Der Basisertrag beträgt 10.000 Euro mal 2,53 Prozent mal 0,7, also 177,10 Euro. Nach Abzug der Teilfreistellung von 30 Prozent bleiben 123,97 Euro steuerpflichtig. Darauf werden 26,375 Prozent fällig, rund 32,70 Euro. Diesen Betrag hat Trade Republic Anfang 2026 abgebucht, sofern dein ETF im Jahr 2025 mindestens diesen Wertzuwachs hatte und kein Freistellungsauftrag griff.

Für das Jahr 2026 liegt der Basiszins laut BMF-Schreiben vom Januar 2026 bei 3,20 Prozent. Die darauf basierende Vorabpauschale wird Anfang Januar 2027 fällig. Weil der Basiszins gestiegen ist, fällt die Vorabpauschale bei gleichem Depotwert etwas höher aus als im Vorjahr.

Basiszins nach Jahren

Der Basiszins wird jedes Jahr vom Bundesfinanzministerium veröffentlicht und leitet sich aus der Rendite langlaufender Bundesanleihen ab. In den Niedrigzinsjahren 2021 und 2022 war er negativ, deshalb fiel für diese Jahre keine Vorabpauschale an.

Jahr

Basiszins

Vorabpauschale fällig

2021

negativ

keine

2022

negativ

keine

2023

2,55 %

Anfang 2024

2024

2,29 %

Anfang 2025

2025

2,53 %

Anfang 2026

2026

3,20 %

Anfang 2027

Freistellungsauftrag bei Trade Republic

Die Vorabpauschale ist ein ganz normaler Kapitalertrag und wird deshalb mit deinem Freistellungsauftrag verrechnet. Hast du bei Trade Republic einen Freistellungsauftrag eingerichtet und ist dein Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) noch nicht ausgeschöpft, bucht der Broker keine oder weniger Steuer ab. Gerade bei kleineren Depots bleibt die Vorabpauschale so oft komplett steuerfrei. Prüfe am Jahresende, ob dein Freistellungsauftrag sinnvoll auf deine Banken und Broker verteilt ist.

Fondspolice: keine Vorabpauschale im Versicherungsmantel

In einer fondsgebundenen Rentenversicherung fällt keine Vorabpauschale an. Erträge im Versicherungsmantel bleiben während der Ansparphase unangetastet, besteuert wird erst die Auszahlung, und zwar nach eigenen Regeln, die je nach Laufzeit und Alter günstig sein können. Für die langfristige Altersvorsorge kann das ein relevanter Unterschied zum Depot sein. Mehr dazu liest du im Artikel ETF-Rentenversicherung.

Für Finanzberater: Deine Kunden fragen nach der Abbuchung im Januar? Mit fonder zeigst du den Steuereffekt von Depot und Fondspolice inklusive Vorabpauschale visuell im Kundengespräch. Mehr zur Beratungssoftware

Häufige Fragen

Warum wurde mir Geld abgebucht, obwohl ich nichts verkauft habe?

Das ist die Vorabpauschale, eine gesetzliche Vorwegbesteuerung auf Fonds und ETFs, vor allem auf thesaurierende. Sie fällt jedes Jahr an, wenn dein Fonds im Plus ist und der Basiszins positiv war. Beim späteren Verkauf wird alles angerechnet, insgesamt zahlst du nicht mehr Steuern, sondern nur früher.

Was passiert bei leerem Verrechnungskonto?

Dann kann Trade Republic die Steuer zunächst nicht einziehen. Wie es weitergeht, hängt vom Einzelfall ab: möglich sind ein späterer Einzug, eine Aufforderung zum Ausgleich oder eine Meldung ans Finanzamt, sodass die Steuer über die Steuererklärung erhoben wird. Am einfachsten vermeidest du das, indem du zum Jahreswechsel etwas Guthaben auf dem Verrechnungskonto lässt.

Zählt der Freistellungsauftrag bei der Vorabpauschale?

Ja. Die Vorabpauschale wird wie jeder andere Kapitalertrag mit deinem Freistellungsauftrag verrechnet. Solange dein Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft ist, wird keine Steuer abgebucht. Ohne Freistellungsauftrag führt der Broker die Steuer ab, du kannst sie dir aber über die Steuererklärung zurückholen.

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